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Die 3 POETEN sitzen einen Kreis bildend im abgedunkelten Raum. Das Publikum sitzt in der Mitte dieses Kreises. Dazu liegen einige Kissen bereit. Der Kreis wird von Teelichtern, den POETEN und Lautsprechern begrenzt. Die POETEN sind dem Publikum und sich selbst zugewandt.
Die POETEN haben einen Computer vor sich und tragen ein Mikrofon, welches an einem Computer eines anderen POETEN angeschlossen ist.
Vom Publikum wird ein Thema vorgegeben, welches als Grundlage der Improvisation dient. Zu diesem Thema entsteht ein Gedicht durch die POETEN, welches zeitgleich vorgetragen wird.
Die POETEN kommunizieren untereinander per Skype. Sie senden sich gegenseitig Wörter oder Zeilen zu. Je nach Belieben lesen sie die Wörter und Zeilen vor. Dabei variieren sie in Tonlage, Lautstärke, Geschwindigkeit, Aussprache und Wiederholungen. Die Stimmen der POETEN werden durch den Computer bearbeitet und von diesem verstärkt wiedergegeben. Anfang und Ende der Improvisation werden nicht abgesprochen.

GRUNDIDEE - Ende Oktober 2008
Die Grundidee zu POET war die Erweiterung der Improvisation CHAT. Der erste Schritt zur Entwicklung von POET war das Ausarbeiten einer Intention, die POET erfüllen sollte. Aufbauend auf dieser wurden weitere Aspekte der Improvisation diskutiert und (weiter-)entwickelt, welche im Folgenden aufgeführt werden.
ENTWICKLUNG November 2008 - Januar 2009
PATCH
Mit Max/MSP wurde ein Patch entwickelt, welches die Stimmen der POETEN verfemdet und verstärkt wiedergibt. Aufbauend auf einem Tutorial wurde zuerst die Echofunktion umgesetzt. Im weiteren Verlauf wurde das Patch erweitert und an die konzeptionellen Vorgaben angepasst. Überlegungen zum Patch waren unter anderem, dass jeder der POETEN ein eigenes Patch mit verschiedenen Effekten bekommt. Um allerdings einen harmonischen Verlauf des Gedichts zu gewährleisten, wurden alle POETEN mit dem gleiche Patch ausgestattet. Die POETEN hatten hierbei noch die Möglichkeit auch während der Vorführung, die Dämpfung und Nachhallzeit des Echos individuell einzustellen. Zwar enthält das Patch auch eine Pitchfunktion. Meist fiel jedoch auf, dass diese Funktion das Gedicht schnell lächerlich wirken lassen kann. Jedoch behielten die POETEN es im Patch bei, um so flexibler agieren zu können, falls es doch passen könnte.
Um eine bessere Orientierung zu garantieren, wurde eine Präsentationsansicht erstellt. Diese Ansicht teilt das Patch in drei Bereiche - Masterlautstärke, Pitch, Echo/Hall. Die POETEN müssen sich bei der Performance sowohl auf den Chat als auch auf das Patch konzentrieren. Durch diese Aufteilung wurde das Patch übersichtlicher und für die POETEN einfacher und schneller bedienbar.
Weitere Effekte, wie völlige Verfemdung der Stimmen, waren unerwünscht, da der menschliche Charakter der Improvisation dadurch gefährdet worden wäre. Somit einigten sich die POETEN auf einen einfachen aber wirksamen Patch, der nicht viele Effekte nötig hatte.
RAUM
In den ersten Entwürfen zu POET saßen die POETEN in den Ecken des Raumes, das Publikum in der Mitte. Das Gefühl und die Assoziationen zum Kind, das in der Ecke zur Bestrafung steht, oder "mit dem Rücken zur Wand" wurde von den POETEN schnell als unerwünscht deklariert. Ein Kreis sollte eine geschlossene Einheit symbolisieren und die Ecken und Kanten des Raumes entschärfen. Die POETEN sitzen nicht - wie bei CHAT - nebeneinander, sondern am Rande des Kreises sich gegenseitig und dem Publikum, das in der Mitte sitzt, zugewandt.
1. Version
LICHT und ATMOSPHÄRE
Die Grundidee war es einen Kreis mit einem Lichtkegel darzustellen. Ein Lichtkegel war leider technisch mit vorhandenem Equipment nicht umsetzbar. Zudem wünschten sich die POETEN eine dunklere, gemütlichere Atmosphäre. Bei einer Probe hat man erkannt, dass Kerzenlicht ein angenehm warmes und zugleich mystisches Ambiente bietet. Die Umsetzung mit Kerzen konnte aus Gründen des Brandschutzes nicht realisiert werden. Deshalb entschlossen sich die POETEN für LED-Teelichter. Diese wurden für die Improvisation in Form des erwähnten Kreises hingestellt.
ZUWEISUNG
Eine weitere Idee zu Beginn war es, einem POETEN, die lyrischen Wörter zu zuweisen, welche er dann vorzulesen hat. Diese Idee wurde verworfen, da es eine Einschränkung der Freiheit der POETEN darstellt, selbst zu entscheiden ob und wie er es vorlesen wird und der eigentliche Gedanke des Improvisierens wird im Vorlesen nichtig. Dann wird nur das Schreiben der Verse und Wörter improvisiert. Dem sendenden Künstler selbst wird der Überraschungseffekt genommen, wie seine Verse angenommen werden.
AKZEPTANZ
Mit Entwicklung sowie durch Proben der Improvisation, entwickelte sich eine Regel, die den POETEN erst gar nicht bewusst war. Ein gesendeter Vers oder ein Wort, wurde vom Autor erst dann selbst vorgelesen, bzw. wiederholt, wenn ein anderer POET es durch Verlesen akzeptiert hatte. Somit war jedes gesendete Wort zuerst nur ein Vorschlag, den die anderen POETEN annehmen oder ablehnen mussten.
KOOPERATION
In Zusammenarbeit soll ein Gedicht oder ein lyrischer Text entstehen. Jeder POET hat zu Anfang ein Bild im Kopf oder einen Weg, den das Gedicht einschlagen könnte - jeder ein eigenes und eventuell auch konfliktär zu den anderen. Dies wird dann sichtbar, wenn man im Chat einen Vers oder ein Wort erhält, welches so gar nicht in das eigene Konzept passt. Hier wird klar, man kann und darf nicht seine eigenen Ideen durchkämpfen, sondern muss sich einem Konsens nähern, mit dem alle POETEN einverstanden sind.
Ist man der Meinung, dass die erhaltenen Verse oder Wörter völlig unpassend sind, hat man immer noch die Wahl, es nicht vorzulesen. Entscheiden zwei POETEN es nicht zu lesen, ist der Vers nicht akzeptiert und somit verloren. Nur im Chatprotokoll wird er noch aufzufinden sein.
PUBLIKUM
Die Teelichter sollen Wärme erzeugen und dem Publikum Emotionen entlocken. Durch einige verteilte Kissen im Kreis, soll sich der Zuhörer gemütlich zurück lehnen können und nur den Worten der POETEN lauschen. Die Optionen dem Publikum Transparenz über die Ausführung der POETEN zu gegeben, ihn also auch außerhalb des Kreises bewegen zu lassen, evtl auch den POETEN über die Schulter zu schauen, wurde zwar diskutiert, allerdings entschieden sich die POETEN dagegen. Der Zuhörer soll keinerlei Einsicht auf die Monitore der POETEN und damit auch keine Sicht auf das direkte Geschehen, da er sich sonst den Überraschungseffekt heraus nimmt und die lyrischen Wörter nicht mehr immersiv auf ihn einwirken können.
EINFÜHRUNG
Um das Publikum vorab über das Vorgehen zu informieren, wurde ein Video angefertigt. Im Video wird beschrieben, was in der Performance passiert, mit welcher Technik und Intention. Zudem wird das Publikum gebeten, sich zu setzen und den Raum nicht zu verlassen. Die POETEN entschieden sich für diese Art der Information, um etwaige Störgeräusche, wie das Rascheln eines Handouts, zu vermeiden. Ohne Ton - um die ruhige Stimmung zu bewahren - lief das Video im Loop mehrere Minuten lang, sodass jeder Zuschauer es von Anfang bis Ende durchlesen konnte.
AUSSPRACHE
Die einfachste Form das Gedicht vorzutragen, wäre das emotionslose Vorlesen der erhaltenen Verse und Wörter. Da aber POET im Gegensatz zu CHAT eine menschliche und emotionale Note haben soll, wurde diese Idee schnell verworfen. Die POETEN beschlossen aufgrund mehrerer Proben, den jeweiligen Versen durch Wiederholungen, Lautstärke, Dynamik die Verse und Wörter emotional aufzuladen. Hierbei fiel auf, dass die Scham überwindet werden muss, einen Teil des Gedichtes eventuell auch laut herauszuschreien, falls ein POET dies für wichtig hält.
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